Einwöchiger Städtetrip und mehrtägige Zugreise

Ottawa, Montréal, Quebec-City, Toronto, Winnipeg, Jasper. Sechs Städte, elf Tage, Heimweh und Heimatgefühle, Faszination, Erschöpfung, Vorfreude.

 

Ottawa: Donnerstag bis Samstag, 19. bis 21. September:

Mittags nehme ich den Zug von Alexandria von der Farm von Mitch und Lola und fahre etwa eine Stunde lang nach Ottawa, ausgestattet mit Daypack, Backpack, Kameratasche und vielen guten Tipps von Mitch und Erinnerungen von Mitch und Lola und der Farm. Mir ist ein wenig mulmig zu Mute. Auf der Farm habe ich quasi ein neues kanadisches zu Hause gefunden, der Abschied fiel genau so schwer wie der Abschied aus Deutschland, vielleicht sogar schwerer, da ich diesmal weiß, was auf mich zukommen wird.

In Ottawa angekommen nehme ich den Bus zur Downtown. Erst später am Tag wird mir auffallen, wie grün und ruhig Ottawa doch im Vergleich zu Toronto ist. Ich steige aus und begebe mich bei strahlendem Sonnenschein und über 25°C zum Parlament, einem alt aussehenden, aber weniger als 60 Jahre jungen Gebäude. Es ist schön hier auf dem „Parliament Hill“, und ruhig. Ich umrunde das Gebäude und sehe, dass es etwa nach 100 Metern steil bergab geht, direkt hinunter zum Ottawa River. Der Ausblick ist grandios. Ich überblicke die komplette Stadt und kann den Verlauf des in der Sonne glitzernden Flusses weit mit dem Auge verfolgen. Ich setze mich auf eine Bank und genieße einen von Lolas Cookies. Sie hat mir zum Abschied eine ganze Dose voll davon geschenkt. Ein Traum!

Gegen kurz vor fünf mache ich mich auf den Weg zu meinem Couchsurfer-Host. Dabei passiere ich einen wunderschönen Park auf einem weiteren Hügel neben dem Parlament, ebenfalls mit einem tollen Blick auf die Stadt. Mathieu, mein Host, wohnt auf derselben Straße wie der Premierminister in einem alten, schönen Haus. Der Mann hat Kohle! Er ist Mitte 30, groß, sehr lustig, liebt die deutsche Sprache und wendet oft einfache Begriffe daraus an. Er klärt mich darüber auf, dass Museen jeden Donnerstag ab fünf Uhr umsonst sind, also begebe ich mich unverzüglich zum Museum of Civilation, welches die Geschichte vieler verschiedener Völker und der kanadischen Besiedlung sehr interessant und anschaulich darstellt.

Drei Stunden später kochen Mathieu, zwei weitere deutsche Couchsurfer, die eine Weltreise machen und ich Spagetti Bolognese. Danach gehen wir mit einem weiteren Host, Vince, und seinem (ebenfalls deutschen, was auch sonst?) Couchsurfer, Dominik in eine Bar und probieren das dortige Bier. Etwas später wechseln Vince, Dominik und ich die Bar. Mathieu und die beiden noch nicht 19 Jährigen (und damit nicht alt genug für eine Bar, in der kontrolliert wird) Couchsurfer gehen nach Hause. In dem Pub „Heart and Crown“ wird Live-Musik gespielt, und getrunken. Vince spendiert uns immer weiter Bier, bis wir um 3 Uhr Nachts gehen müssen, da der Pub schließt.

Den nächsten Tag verbringe ich mit einer kleinen Fahrradtour mit Mathieus Fahrrad und einer tollen privaten Führung durch das Parlament mit den beiden anderen Couchsurfern und Vince, der im Parlament arbeitet und uns die Tour angeboten hat.

Abends gibt Mathieu eine „Dinner-Party“. Eingeladen sind Vince, ein zu Besuch kommender Couchsurfer-Host aus Quebec-City (Benoit) und diverse Couchsurfer. Der Abend ist sehr lustig, es wird viel und gut gegessen und viel getrunken (mit meiner Ausnahme, der letzte Abend beeinflusst immer noch meinen Kopf).

Am nächsten Morgen (Samstag) gibt es noch ein gemeinsames Frühstück, bei dem ich meinen ersten Crepe mit Ahornsirup in Kanada genieße, wurde auch langsam Mal Zeit. 😉 Dann fährt mich Mathieu netterweise zum Bahnhof und ich nehme den Zug nach Montréal.

 

Montréal: Samstag bis Montag, 21. bis 23. September:

Nach zweistündiger Fahrt komme ich in Montréal an, wo mich Charles, mein Host für Toronto abholt. Wir fahren zu ihm nach Hause und er gibt mir einen eineinhalbstündigen Geschichtsexkurs über Montréal, der sehr interessant und sehr lang ist. Danach habe ich mein zweites Telefon-Job-Interview mit der Fairmont Jasper Park Lodge, welches genauso gut verläuft wie mein erstes Interview und ein paar Tage später mit einem Jobangebot belohnt wird. J

Nachmittags und am nächsten Tag (Sonntag) macht Charles dann noch eine Stadttour mit mir und ich lerne wirklich viel Interessantes über Montréal, vor allem über die immer noch äußerst korrupten Politikaktivitäten. Montreal gefällt mir weit weniger gut als Ottawa, auch wenn es hier ganz schöne Ecken gibt. Trotzdem kommt mir die Stadt sehr anonym, grau und verwahrlost vor.

 

Quebec-City: Montag bis Mittwoch, 23. bis 25. September:

Nach dreieinhalbstündiger Zugfahrt komme ich nachmittags in Quebec-City an, der ältesten Stadt nördlich von Mexiko, gegründet 1608 (soweit ich mich richtig erinnere). Im selben Zug saß auch deutscher Couchsurfer von Benoit. Benoit hatte sich sogar bereit erklärt, mich vom Bahnhof zu meinem Host zu fahren, in die völlig andere Richtung, in die er eigentlich muss. Was mir an Quebec-City sofort auffiel, war ihr europäisches Flair. Es gibt weniger Hochhäuser, ruhigere Straßen und engere Gassen hier.

Bei Jean-Phillipe, meinem neuen Host, essen wir zu Abend und dann gibt er mir eine zweistündige Tour zu Fuß durch die Stadt. Die wunderschöne Altstadt liegt fantastisch an dem St. Lorenz Strom und ähnelt Straßburg und weiteren französischen oder deutschen Altstädten sehr. Ich fühle mich wirklich wie „zu Hause“, während wir in kleine Läden und Restaurants in der Fußgängerzone schauen.

Den nächsten Vormittag verbringe ich mit dem deutschen Couchsurfer aus dem Zug und zwei Franzosen, ebenfalls Couchsurfer von Benoit mit einer kostenlosen Tour durch das Parlament in Quebec.

Nachmittags holt uns Benoit ab und fährt mit uns ein wenig raus aus die Stadt, zeigt uns einen Wasserfall und ein Indianer-Ressort, welches sich optisch jedoch kaum vom Rest der Stadt unterscheidet. Abends kochen wir alle bei Benoit, es gibt Schnitzel mit Bratkartoffeln von mir und dem anderen deutschen Couchsurfer und Crepes mit Marmelade und Ahornsirup von den beiden Franzosen.

 

Toronto: Mittwoch und Donnerstag, 25. und 26. September:

Am nächsten Morgen nehme ich um 7.45 Uhr den Zug nach Toronto, wo ich knappe 10 Stunden später ankomme. Ich habe leider keinen Couchsurfer hier gefunden, also habe ich noch Mal eine Nacht im Hostel „The Planet Traveler“ gebucht. Der Zug „The Canadian“, den ich von Toronto nach Jasper gebucht habe, würde am nächsten Tag um 22 Uhr abfahren.

Den Donnerstag verbringe ich damit, mir die Haare schneiden zu lassen und ca. 4 Stunden lang nach komplett schwarzen, nicht allzu teuren Schuhen zu suchen, die ich für meinen Job im Fairmont Hotel brauche. Im Endeffekt hat das lange Suchen nichts gebracht und ich musste mir neue Schuhe kaufen, da kein Second-Hand-Laden passende Exemplare da hatte.

 

The Canadian: Donnerstag bis Sonntag, 26. bis 29. September:

Abends steige ich in den 60 Jahre alten und mindestens 500 Meter langen Zug. Mitch hatte mir diese Reise empfohlen, zu Recht, wie ich in den kommenden Tagen feststellen sollte. 62 Stunden benötigt der Zug, um von Toronto nach Jasper zu fahren. Ich hatte ein Ticket für ein Bett inklusive Vollpension gebucht (was aber normal ist, da man ja sonst schlecht an Essen kommen kann).

Zur Begrüßung gibt es einen Sekt im Panoramaabteil, welches super ist (siehe Fotos). Die Lichter werden ausgeschaltet und wir können die Sterne und kleinere Städte (oder waren es immer noch die Ausläufer von Toronto?) an uns vorbeiziehen sehen (wobei die Sterne nicht wirklich an uns vorbeizogen). 😉

Später begebe ich mich dann zu meinem Bett, welches tagsüber in einen Sitz umgewandelt wird, schaue im liegen aus dem Fenster und genieße es, endlich die einwöchige Städtetour hinter mir zu haben. Ich habe mal wieder festgestellt, dass alleine Reisen nichts für mich ist und obwohl ich viel Spaß hatte, konnte ich doch kaum die Woche genießen, da ich extremes Heimweh hatte und mich dauerhaft gefragt habe, mit wem ich den nächsten Tag wohl verbringen werde und was ich machen werde oder ob ich alles alleine machen müsse.

Die Zugfahrt ist auf jeden Fall super, ebenso das Essen! Die meisten anderen Zuggäste sind Rentner, aber ich habe mich mit drei anderen Reisenden (alle etwa zwischen Ende 20 und Ende 30) zusammengefunden und wir haben hier viel Spaß, während wir Kanadas endlose Weiten an uns vorbeiziehen lassen, uns kurz Winnipeg bei einem dreistündigen Stopp anschauen und immer wieder hoffen, dass wir Empfang mit unseren Handys haben, was am ersten Tag nur ein Mal kurz in 24 Stunden vorkommt und was eigentlich auch gar nicht so schlimm ist, da wir untereinander umso mehr kommunizieren.

Die nächsten Tage vergehen wie im Fluge und ich genieße die Zugfahrt als wäre ich im Urlaub. Ein Highlight ist eine kurze Sichtung eines Schwarzbären und ein weiteres Highlight erwartet uns dann etwa eine halbe Stunde bevor wir nach Jasper kommen, nämlich beim Eintritt in die Rocky Mountains. Genau so werden sie in den Reiseführern dargestellt. Reißende Flüsse, türkise Seen, immergrüne Tannen und majestätische, auf ihren Spitzen mit Schnee bedeckte Berge.

 

Jasper: Sonntag, 29. September:

Um kurz vor eins komme ich in Jasper an, es regnet ganz leicht und es ist deutlich kühler hier. Nachts ist es jetzt schon oft unter 0 Grad Celsius und tagsüber klettern die Temperaturen nie über 15 Grad. Ab nächster Woche wird der erste Schnee hier erwartet.

Ich nehme einen Shuttlebus zum etwas außerhalb gelegenen Hotel und werde dort zu den Mitarbeiterquartieren und Büros gebracht. Ich muss ein paar Dokumente unterschreiben und dann erhalte ich eine kleine Tour rund um die Gebäude. Hier scheinen alle soweit echt nett zu sein, auch wenn ich persönlich noch niemanden von dem Personal kenne, aber das wird sich hoffentlich morgen ändern.

Das Hotel ist sehr schön direkt an einem kleinen See, der dem Hotel gehört, gelegen, 10 Minuten außerhalb von Jasper. Als ich mich kurze Zeit später alleine ein wenig umsehe, steht 50 Meter vor mir auf einmal ein Prachtexemplar von Hirsch mit einem gewaltigen Geweih. Es ist anscheinend völlig normal, dass sich Hirsche, Elche, Streifenhörnchen und öfters auch Bären auf dem Gelände des Hotels blicken lassen. Ich finde das toll, auch wenn mein Respekt vor diesen Tieren (mit Ausnahme der Streifenhörnchen) doch um einiges gestiegen ist. Eine Grizzlybären-Sichtung aus 10 Metern Entfernung sehne ich nicht mehr so sehr herbei wie noch am Anfang meines Trips nach Kanada.

Ottawa, Montreal, Quebec City 003

Parlament von Kanada in Ottawa

Ottawa, Montreal, Quebec City 007

Blick vom Parlamentshügel in Ottawa

Ottawa, Montreal, Quebec City 036

Blick auf den Parlamentsügel

Ottawa, Montreal, Quebec City 042

Ottawa, Montreal, Quebec City 104

Montreal neben dem Hafen

Ottawa, Montreal, Quebec City 151

Blick vom Mont Real auf die Stadt

Ottawa, Montreal, Quebec City 135

Kathedrale von Montreal

Ottawa, Montreal, Quebec City 126

Meine erste Poutine in Kanada

Ottawa, Montreal, Quebec City 110

Alter Stadtteil von Montreal

 

Ottawa, Montreal, Quebec City 180

Das Parlament von Quebec City

Ottawa, Montreal, Quebec City 260

Dominik, Benoit und ich in einem Indianer-Resort

Ottawa, Montreal, Quebec City 246

Wasserfälle vor Quebec City

Ottawa, Montreal, Quebec City 233

Benoits Couchsurfer und ich vor den Fällen

Ottawa, Montreal, Quebec City 207

Blick auf die Altstadt und die St. Lorenz Strom in Quebec City

Ottawa, Montreal, Quebec City 193

Altstadt von Quebec City

Ottawa, Montreal, Quebec City 191

Das Fairmont Hotel in Quebec City

Ottawa, Montreal, Quebec City 189

Promenade, Quebec City

Ottawa, Montreal, Quebec City 188

Blick auf St. Lorenz Strom

Ottawa, Montreal, Quebec City 187

The Canadian 007

Panoramaabteil im „The Canadian“ Zug

The Canadian 293

Das Fairmont Hotel in Jasper

The Canadian 286

Links im Bild, das Hotel in Jasper

The Canadian 278

Keine Seltenheit hier: Streifenhörnchen

The Canadian 266

Und plötzlich stand er vor mir…

The Canadian 257

Beginn der Rocky Mountains aus dem Zug

The Canadian 211

Die Rocky Mountains vom Zug aus

The Canadian 200

Ein anderes Panoramaabteil des Zuges

The Canadian 183

Shera und Michael spielten jeden Tag mehrmals Musik im Zug

The Canadian 178

„The Prairies“ in Saskatchewan

The Canadian 160

Greg und Spencer

The Canadian 142

In der Lounge am Ende des Zuges

The Canadian 130

Tal in Manitoba

The Canadian 038

Der Speisewagen

The Canadian 014

Nord Ontario

The Canadian 010

Mein Bett und der Blick aus dem Fenster

The Canadian 148 The Canadian 107 The Canadian 103 The Canadian 075 The Canadian 036